Künstliche Intelligenz: Das kurze Fenster der KI-Freiheit
Handelsblatt Technik
9 mai 2026, 13:15
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Düsseldorf. Ich bin Journalist. In den vergangenen drei Monaten habe ich aber mehr Zeilen Code produziert, als Texte geschrieben. Trotzdem war ich selten so sehr Journalist. Dabei habe ich keine neue Karriere begonnen. Ich habe mir Werkzeuge gebaut: für meine Straße in Düsseldorf, für niederländische Gerichtsakten, für acht Jahre gefangene LinkedIn-Daten, für den Morgen in der Redaktion. Dinge, für die früher ein Team nötig gewesen wäre. Heute beginne ich oft mit einem Satz an ein KI-Modell. Genau darin liegt die Veränderung. Künstliche Intelligenz antwortet nicht nur auf Fragen und erstellt Bilder, sondern erschafft auch neue Programme. Das ersetzt professionelle Softwareentwicklung nicht komplett. Aber es verschiebt die Grenze zwischen denen, die digitale Werkzeuge nur benutzen, und denen, die sie selbst formen können. Doch diese Freiheit ist wahrscheinlich ein Zwischenzustand. Autonome Programmiersitzungen sind teuer. Ein Modell liest Dateien, schreibt Code, testet, scheitert, korrigiert sich und beginnt erneut. Was für den Nutzer wie ein Dialog aussieht, ist in Wahrheit eine lange Rechenkette. Lange haben Plattformen diese Kosten in Pauschalabos versteckt. Nun ändern sie die Regeln. Eine neue Sprache des Erschaffens Ich programmiere dabei weniger, als das Wort vermuten lässt. Ich beschreibe. Ich erkläre dem Modell, welche Daten ich habe, welche Struktur ich brauche und was gute Lösungsansätze sein können. Ich formuliere Regeln, Prioritäten, Ausnahmen. Vordenker dieser anderen Art des Erstellens von Software ist Peter Steinberger, der Mann hinter Open Claw. Diese Sprache musste ich lernen. Sie liegt zwischen Redaktion, Produktmanagement, Datenanalyse und Softwareentwicklung. Wer vage fragt, bekommt vage Software. Wer präzise formuliert, erhält Prototypen. Diese neue Arbeit macht unglaublich viel Spaß und ist gleichzeitig unglaublich anstrengend. Denn die Taktung ist wahnsinnig hoch. Aus einer Idee wird innerhalb von wenigen Momenten eine Funktion. Nach drei Stunden dieser Iterationen fühle ich mich geschafft wie nach einem Achtstundentag. » Lesen Sie auch: Das Erwachen – Warum die KI gerade eine neue Stufe erreicht Trotzdem oder gerade deshalb sind in den vergangenen Wochen etliche Projekte entstanden. Vier stelle ich vor. Und das Problem, das alles infrage stellen könnte.